Sie werden weitergeleitet

Sie werden zur Website unserer Muttergesellschaft, Schönherr Rechtsanwälte GmbH, weitergeleitet: www.schoenherr.eu

23 Juli 2026
Blog
austria

Sechs Schlüsselfaktoren einer erfolgreichen Markenanmeldestrategie

Der Aufbau eines Markenportfolios erfordert mehr als die bloße Einreichung zahlreicher Markenanmeldungen. Eine durchdachte Markenanmeldestrategie berücksichtigt folgende sechs Schlüsselfaktoren:

Auswahl des richtigen Schutzgebiets

Als Anhaltspunkt bieten sich folgende Überlegungen an:

  • In welchen Ländern werden die Produkte bereits angeboten?
  • Welche Märkte sollen in den nächsten drei bis fünf Jahren erschlossen werden?
  • Gibt es Länder, in denen der Marktzugang zumindest offengehalten werden soll?
  • In welchem Land wird die Marke im Herstellungsprozess auf den Produkten angebracht?

Ist die Marke in den wichtigsten Ländern geschützt, kann das Markenportfolio schrittweise erweitert werden.

Bei einer schrittweisen Expansion sollte das sogenannte Prioritätsrecht berücksichtigt werden: Innerhalb von sechs Monaten nach der Erstanmeldung kann deren Anmeldetag für Nachanmeldungen in anderen Ländern in Anspruch genommen werden. Der Zeitpunkt der Erstanmeldung sollte daher strategisch geplant werden, um dieses Zeitfenster optimal zu nutzen.

Berücksichtigung der Markenhierarchie innerhalb des Unternehmens

Vor jeder Markenanmeldung sollte klar definiert werden, welche Rolle die neue Marke innerhalb der bestehenden Markenhierarchie spielt. Handelt es sich um eine Dachmarke, eine Sortimentsmarke oder eine Produktmarke?

Die Schutzstrategie sollte die jeweilige Funktion der Marke widerspiegeln. Während Dachmarken häufig frühzeitig und umfassend abgesichert werden sollten, sowohl hinsichtlich der Waren- und Dienstleistungsklassen als auch hinsichtlich des Schutzgebiets, kann bei einer Produktmarke ein enger gefasster Schutzumfang ausreichend sein.

Wahl der passenden Markenform

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahl der anzumeldenden Markenform. Soll eine Wortmarke, eine Wortbildmarke oder eine reine Bildmarke angemeldet werden? Wortmarken bieten in der Regel einen breiteren Schutzumfang, da sie das Zeichen unabhängig von seiner grafischen Gestaltung schützen. Wortbildmarken können hingegen leichter eintragungsfähig sein, insbesondere bei beschreibenden oder kennzeichnungsschwachen Begriffen. Die Wahl der Markenform sollte daher frühzeitig in die Anmeldestrategie einfließen.

Sorgfältige Definition des Waren- und Dienstleistungsverzeichnisses

Neben der Wahl des Schutzgebiets und der passenden Markenform ist auch die Formulierung des Waren- und Dienstleistungsverzeichnisses ein strategisch bedeutsamer Schritt. Ein zu weit gefasstes Verzeichnis kann das Risiko von Nichtbenutzungseinreden erhöhen, während ein zu eng formuliertes Verzeichnis Schutzlücken hinterlassen kann. Das Verzeichnis sollte daher die tatsächlichen und geplanten Geschäftsaktivitäten des Unternehmens widerspiegeln und auf die Praxis des zuständigen Markenamts abgestimmt sein.

Berücksichtigung von Rechercheergebnissen

Markenrecherchen nach identischen und ähnlichen Markenrechten sind ein zentrales Element jeder Markenanmeldestrategie. Sie ermöglichen es, potenzielle Konflikte frühzeitig zu erkennen und geeignete Handlungsoptionen zu entwickeln.

Besteht beispielsweise bereits ein älteres Markenrecht in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, kann anstelle einer Unionsmarkenanmeldung eine internationale Registrierung mit Benennung ausgewählter EU-Mitgliedstaaten die sinnvollere Alternative sein. Auf diese Weise lassen sich Risiken gezielt reduzieren, ohne auf den erforderlichen Markenschutz verzichten zu müssen.

Weitere Handlungsoptionen bei identifizierten Konflikten können etwa die Anpassung des Zeichens, die Einschränkung des Waren- und Dienstleistungsverzeichnisses oder der Abschluss einer Koexistenzvereinbarung mit dem Inhaber des älteren Rechts sein.

Strategischer Einsatz des Budgets

Auch das verfügbare Budget sollte von Beginn an in die strategischen Überlegungen einbezogen werden, idealerweise bereits während der Markenentwicklung. Das Ziel ist nicht die größtmögliche Anzahl von Markenanmeldungen, sondern der Aufbau eines zielgerichteten Schutzrechtsportfolios, das die Marke langfristig und nachhaltig absichert.

Fazit

Eine erfolgreiche Markenanmeldestrategie basiert auf der sorgfältigen Abstimmung mehrerer Faktoren: dem relevanten Schutzgebiet, der Stellung der Marke innerhalb der Markenhierarchie, der passenden Markenform, dem Waren- und Dienstleistungsverzeichnis, den Ergebnissen von Markenrecherchen sowie dem verfügbaren Budget. Die frühzeitige Berücksichtigung dieser Aspekte schafft die Grundlage für einen zielgerichteten und wirtschaftlich sinnvollen Markenschutz.

Dabei endet die strategische Arbeit nicht mit der Eintragung: Auch die laufende Überwachung des Marktumfelds auf kollidierende Neuanmeldungen sowie die konsequente Benutzung der eingetragenen Marken sind wesentliche Bausteine eines nachhaltigen Markenschutzes.

Autoren: Gudrun Irsa-Klingspiegl, Birgit Kapeller-Hirsch

Gudrun
Irsa-Klingspiegl

Senior Trademark & Design Manager / Head of Trademark & Design Management

austria vienna

Co-Autor:innen